Wirtschaft

Kirchen-/Bahnhofstraße: Wie soll es konkret weitergehen?

Die Erarbeitung des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzepts (ISEK) ist Ende 2019 abgeschlossen worden. Es wurde vom Gemeinderat auch verschiedentlich einstimmig gebilligt. Das Ergebnis sind viele kurz-, mittel- und langfristige Einzelmaßnahmen, die priorisiert wurden.

Kurz- und mittelfristige Maßnahmen mit hoher Priorität sind u.a.:

  • Citymanagement zur Stärkung der Geschäftsstraße (Erlebniseinkaufen/Shopping-Nacht/Marktsonntag/Lange Tafel, Projektfonds/einheitliche Öffnungszeiten/Schaufenstergestaltung, Vernetzung/Aktivierung/Imagebildung)
  • Unterführung am S-Bahnhof aufwerten
  • Radverkehrskonzept umsetzen
  • Nachnutzung der Polizeiinspektion klären
  • Aufbau eines Verfügungsfonds (geplant sind 20.000 Euro / Jahr), um private Maßnahmen mit bis zu 50% fördern zu können
  • Sanierungsarchitekt (SAR) zur Beratung der Bauherren und Erarbeitung von Gestaltungsvorschlägen
  • Etablierung eines Quartierladens in möglichst zentraler Lage (ggf. Kombination mit Ansprechpartner für Einzelhandel und Senioren Café)
  • Viele weitere Planungsschritte, z.B. Überprüfung und Aktualisierung der vorliegenden Studie „Belebung des Ortszentrums“ aus dem Jahr 2001 oder Erstellen eines integrierten Verkehrsgesamtkonzepts

Aus Sicht der FDP ist es wichtig, nach langjähriger Planung ins Tun zu kommen. Die  Gemeinde kann (und sollte) zwar im öffentlichen Raum (Straße) und bei gemeindeeigenen Flächen und Immobilien gestaltend tätig werden.

Die großen Hebel haben allerdings die privaten Grundstücks- und Immobilieneigentümer in der Hand. Umso wichtiger ist es, dass die Gemeinde gezielt auf diese zugeht, um sie für die vorliegenden Pläne zu gewinnen. Zu überlegen ist auch, wie über den knapp bemessenen Verfügungsfonds hinaus Anreize für private Investitionen gesetzt werden können.

Auch was die Ansiedlung von Einzelhändlern und Gewerbetreibenden betrifft, sollte die Gemeinde aktiv auf die Suche gehen, geeignete Firmen identifizieren und ansprechen.

Förderung des Gewerbes

Die gezielte Unterstützung der Selbständigen und Gewerbetreibenden vor Ort ist meiner Meinung für die Gemeinde essentiell: Arbeitsplätze vor Ort haben einen positiven Effekt auf Verkehr und Auspendlerquote. Die Gewerbesteuer ist eine wichtige Einnahmequelle für die Gemeinde. Schließlich engagieren sich Gewerbetreibende und Selbständige häufig aktiv in der Gemeinde und haben dabei auch die Mittel, um etwas zu bewegen. Als Bürgermeister möchte ich u.a. folgendes tun:

  • Aktive Gewerbeansiedlung und -pflege: In der Wirtschaftsförderung sind Marketing und Information das eine. Die Gemeinde sollte aber auch aktiv Firmen, Grundstückeigentümer und Pachtinteressenten identifizieren und ansprechen, z.B. um Lücken im Einzelhandel im Ortszentrum zu schließen oder um Flächen im Gewerbegebiet optimal zu nutzen. Sie sollte zudem immer ein offenes Ohr für bereits ansässige Unternehmer haben und diese z.B. bei Expansionsplänen nach Möglichkeit unterstützen. Dafür ist eine bedarfsgerechte Ausstattung der Wirtschaftsförderung in der Gemeinde notwendig.
  • Förderungs-Wegweiser: Ob für Gewerbetreibende, Bauherren, Vereine oder die Gemeinde selbst: Es gibt auf europäischer, Bundes- und Landesebene etliche Fördertöpfe und Fördermöglichkeiten. In der Gemeindeverwaltung möchte ich eine Person haben, die den Überblick darüber hat, Förderpotentiale identifiziert, Beratung leistet und konkret beim Ausfüllen der Anträge hilft.
  • Wirtschaftsförderung als Chefsache: Natürlich ist Wirtschaftsförderung Teamarbeit. Kein Bürgermeister kann alles alleine machen. Gerade bei Verhandlungen mit „großen Playern“ wie an einer Ansiedlung interessierten Mittelständlern, Konzernen wie der Telekom (Stichwort Breitbandausbau), der Stadt München oder der Staatsregierung ist der Bürgermeister jedoch als Ansprechpartner gefordert, um die Wichtigkeit der Anliegen Gröbenzells zu unterstreichen.
  • Bürgerschaftliches Engagement aus der Wirtschaft stärken: Vereine leisten in Gröbenzell vieles, das die Gemeinde allein nicht stemmen könnte. Die SIG z.B. veranstaltet die Marktsonntage, das regelmäßige Unternehmerfrühstück, das Speed-Dating für Bewerber und Unternehmen sowie Wunschbaum und Weihnachtskugelaktionen. Die gute Zusammenarbeit möchte ich als Bürgermeister fortführen und ausbauen, z.B. auch durch Beteiligung an den Kosten des Marktsonntags.
  • Gründerwerkstatt: Mein eigenes Unternehmen hat in der Anfangsphase von der Förderung durch das Entrepreneurship Center der LMU profitiert. Durch die Bereitstellung von Räumen und Technik, Beratung bei Gründung und Hilfe mit der Bürokratie, Sachmittel für z.B. Marketing und – nicht zuletzt – Vernetzung mit der lokalen Wirtschaft im Rahmen einer Gründerwerkstatt könnte Gröbenzell die Entstehung lokaler Unternehmen und Start-Ups fördern. Auch für dieses Projekt sollte sich die Gemeinde Partner vor Ort suchen.
  • Synergien mit Nachbarn nutzen: Die Wirtschaftsförderung sollte in Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden und dem Landkreis geschehen. Gemeinsam sind wir hier stärker und können Firmen auch mehr bieten.
  • Verwaltung als Partner und Dienstleister: Gegenüber Bürgern und Unternehmen sollte die Gemeinde stets serviceorientiert auftreten. Dazu gehört auch die Digitalisierung der Verwaltung. (Idealerweise in Zusammenarbeit mit anderen Kommunen, vgl. Baden-Württemberg) Insbesondere wollen wir „Gründen in 24h“ ermöglichen. Hierfür wollen wir Kooperationen mit Notaren, Finanzämtern und weiteren Stellen im Landkreis schaffen. Idealerweise sollte es in diesem Zusammenhang einen einheitlichen Ansprechpartner für alles geben.
  • Gewerbereferent: Als Bürgermeister möchte ich mich für alle hier genannten Maßnahmen einsetzen. Die FDP strebt jedoch außerdem an, den Gewerbereferenten im Gemeinderat zu stellen, um die Umsetzung noch besser begleiten zu können.
  • Der Gewerbesteuersatz soll nicht erhöht werden.
  • Gesamtkonzept für Handel und Gewerbe: In Gröbenzell wird viel und manchmal jahrelang geplant. Manchmal ist es wichtig, einfach mal mit der Umsetzung zu beginnen. Nichtsdestotrotz verwundert es, dass es unter den vielen Konzepten meines Wissens nach kein Gesamtkonzept für Handel und Gewerbe in Gröbenzell gibt. In Absprache mit den Gewerbetreibenden möchte ich klären, ob ein solches Konzept erstellt werden sollte.
  • Weihnachtsmarkt: Persönlich würde ich mich freuen, wenn wir in Gröbenzell einen Weihnachtsmarkt zumindest an den Adventswochenenden etablieren könnten. Dazu möchte ich auf bestehende Initiativen z.B. der Kirche zugehen.

Können sie sich eine gezielte Unterstützung/Förderung durch die Gemeinde bei der E-Mobilität für Unternehmen vorstellen?

Ja. Die Umstellung auf CO2-neutrale Antriebstechnologien ist eine der wesentlichen Herausforderungen beim Klimaschutz. Die Gemeinde sollte durch Förderungen finanzielle Anreize setzen, damit Unternehmen Ladestationen für Firmen-, Mitarbeiter- und Kundenfahrzeuge errichten. Auch wenn der finanzielle Spielraum der Gemeinde nicht groß ist, so lassen sich doch manchmal schon durch Anschubfinanzierungen größere Investitionen erleichtern.

Die FDP möchte zudem auf die Eigentümer von geeigneten Immobilien und Flächen (z.B. große Parkplätze und Dachflächen) im Industriegebiet zugehen, um Möglichkeiten zur Nutzung dieser Flächen für die Photovoltaik auszuloten. (Z.B. Überbauung, Überdachung, oben Photovoltaik, unten Ladestationen)

Zudem möchte ich prüfen, ob Ladestationen für E-Fahrräder in der Kirchen- und Bahnhofstraße eingerichtet werden können.

(Grundsätzlich ist die FDP technologieoffen. Sollte ein Bedarf für z.B. Wasserstoff-Tankstellen entstehen, ist dies genauso zu prüfen bzw. zu fördern.)

Welche Unterstützung würden sie für Unternehmen bieten, um energieeffizienter zu arbeiten?

Ähnlich wie bei der E-Mobilität ist auch die energetische Sanierung von Gebäuden ein großer Hebel beim Klimaschutz und der Energieeffizienz. Die Gemeinde sollte zum einen bei den eigenen Gebäuden mit gutem Beispiel vorangehen. Ein finanzielles Anreizsystem für Unternehmen (und Privatleute) zur Gebäudesanierung könnte beim Erreichen der Klimaschutzziele viel bewirken. Dasselbe gilt für energieeffiziente Produktion und die Errichtung von Photovoltaikanlagen.

Die Herausforderung ist hier sicherlich die Finanzierung. Als Bürgermeister werde ich das einmal durchrechnen lassen und aktiv nach Finanzierungswegen suchen.

Denkbar sind aber auch Anreize anderer Art, beispielsweise beim Baurecht, wenn energieeffizient gebaut wird. Schließlich kann auch der weiter oben angesprochene Förderungs-Wegweiser dabei helfen, Geld für entsprechende Maßnahmen zu beschaffen.

Wie sehen sie die derzeitige Situation des Einzelhandels in Gröbenzell?

Wir setzen uns dafür ein, dass die Nahversorgung auch weiterhin in der Ortsmitte und auch nördlich der S-Bahn sichergestellt bleibt. Für einen großen Supermarkt fehlt dort meines Wissens nach die Fläche. Da viele Bürger sich eine Einkaufsmöglichkeit im Norden wünschen, möchte ich aber das Gespräch mit entsprechenden Firmen suchen. Als Bürgermeister möchte ich mich dafür einsetzen, dass sich in der Bahnhofstraße Geschäfte des täglichen Bedarfs in räumlicher Nähe zueinander ansiedeln.

Zur Belebung des gesamten Ortszentrums wäre die Ansiedlung weiterer Einzelhändler von Vorteil. Hier sollte die Gemeinde aktiv auf die Suche gehen. Leerstände möchte ich gezielt beseitigen, das gilt auch im Industriegebiet für den ehemaligen Kik oder die Esso-Tankstelle. Ggf. sollte die Gemeinde ein „Leerstandskataster“ einrichten.

Ein weiterer Baustein kann das im Rahmen des ISEK erarbeitete City-Management sein, also Aktionen wie die verkaufsoffenen Sonntage, Erlebnis-Shopping, Projekte mit den Einzelhändlern, um die Attraktivität des Einkaufsstandorts zu erhöhen sowie Vernetzung und Beratung.

Wie sehen sie den derzeitigen Stand der Infrastruktur für die Selbstständigen. Wie und was würden sie anpacken?

Im Bereich Breitbandausbau sollte die Gemeinde schnell die Problemgebiete identifizieren. (Ich selbst brauche in der Walchenseestraße z.B. neben DSL auch noch Internet über Kabelfernsehen, da sonst die Ausfallsicherheit zu häufig nicht gegeben ist.) Im Anschluss muss das Gespräch mit den bereits in Gröbenzell engagierten Firmen (Telekom) gesucht werden. Ggf. muss auch eine eigene, gemeindliche Lösung geprüft werden. Bei anstehenden Straßenbauarbeiten können bereits Leerrohre verlegt werden. Ziel ist die flächendeckende Versorgung Gröbenzells mit mindestens 100 Mbit, besser 1 Gbit. Wir unterstützen zudem den 5G-Ausbau in Gröbenzell.

Im Straßenverkehr setzen wir auf ein gleichberechtigtes Miteinander des motorisierten und nicht-motorisierten Verkehrs. Die Reduzierung des Durchgangsverkehrs sowie die Verringerung der Zahl der Auspendler (Stau zur Rush Hour) sind Mammutaufgaben, die Gröbenzell in Zusammenarbeit mit München und den übrigen Nachbarn vorantreiben sollte.

Das erarbeitete Radverkehrskonzept sollte möglichst bald umgesetzt werden, um den Gröbenzellern attraktive Angebote für die Nutzung des Fahrrades innerorts zu machen. Wichtig ist hier vor allem die Olchinger/Augsburger Straße sowie die Durchlässigkeit in Nord-Süd-Richtung. (Unterführungen unter S-Bahnhof, Unter- und Überquerung der Olchinger/Augsburger Straße, ggf. weitere Unterführung unter der S-Bahn)

Die Umsetzung der ISEK-Planungen für die Kirchen- und Bahnhofsstraße, insbesondere der niveaugleiche Ausbau, sollte das Ortszentrum besser erreichbar und zugleich attraktiver machen.

Was würden sie gegen den Facharbeitermangel tun und können sie sich Ausbildungsförderungsmaßnahmen vorstellen. Wenn ja, wie?

Bestehenden Initiativen und Vorschlägen wie z.B. dem Speed-Dating, der Präsenz Gröbenzells auf der FFB-Schau, einer Ausbildungsmesse oder Online-Ausbildungsplatzbörse stehe ich offen gegenüber und möchte diese weiter fördern. Dabei möchte ich immer Kooperationen mit unseren Nachbargemeinden sowie die Effizienz im Auge behalten. Eine Ausbildungsplatzbörse, die sich allein auf Gröbenzell beschränkt, wäre z.B. für Ausbildungsplatzsuchende aus der Region nur eingeschränkt attraktiv. Zudem müsste man deren Auffindbarkeit sicherstellen (Suchmaschinenoptimierung).

Die Gemeinde sollte jedoch ihre Unternehmen bei der Gewinnung von Fachkräften und Auszubildenden unterstützen. Im Rahmen der Wirtschaftsförderung könnte ich mir Beratungsangebote wie z.B. die Vermittlung von Best Practices in der Mitarbeitergewinnung vorstellen. (Formulieren und Streuen von Stellenanzeigen, Pflegen von Mitarbeiterbewertungen, Halten von Mitarbeitern) Bei diesem Thema steht der Gemeinde selbst schließlich viel Arbeit bevor. Aufgebaute Kompetenzen sollte sie mit den Gewerbetreibenden teilen.

Ich begrüße die Weiterbildungsangebote der VHS in Zusammenarbeit mit der Westallianz insbesondere für Berufstätige und Selbständige. Dieses Angebot sollte ausgebaut werden.

Prüfen möchte ich einen Wohngeldzuschuss für Auszubildende. Die FDP setzt bei der Wohnungsförderung seit jeher auf „Subjekt- statt Objektförderung“. Vielleicht wäre dies ein Weg, Gröbenzell für Auszubildende besonders attraktiv zu machen.

Grundsätzlich ist der Fachkräftemangel ein Thema, das größer ist als die Gemeinde Gröbenzell und auch langfristig angegangen werden muss. Gesellschaftliche Entwicklungen, denen wir uns in diesem Zusammenhang stellen müssen, sind z.B. Ganztagsschulen, Ausweitung und Verbesserung der Kinderbetreuung, Förderung von Frauen z.B. bei der Wiedereingliederung ins Berufsleben nach der Elternzeit und nicht zuletzt der Zuzug (Wohnungen!) und die Zuwanderung von Fachkräften, auch aus dem Ausland.

Gewerbegebiet: Wie stehen sie zu einer generellen Parkzeitbeschränkung, nachdem diese in der Danziger Straße eingeführt wurde/wird?

In der Danziger Straße gilt seit Januar 2020 eine Parkzeitbeschränkung auf 10 Stunden (mit Parkscheibe). Die Idee dahinter ist, die Parkbuchten für Mitarbeiter des Gewerbegebietes zur Verfügung zu halten, statt sie Dauerparkern zu überlassen. Dies halte ich für sinnvoll und kann mir eine Ausweitung vorstellen.



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